Chronik
 

Chronik


Die Gründung des Schützenvereins Westtünnen geht genau betrachtet weiter zurück als das Jahr 1893. Bereits einige Jahre vorher gab es einen Vorgänger, der unter dem Namen "Schießverein" bestand. In der Generalversammlung dieses Vereins am 3. September 1893 wurde der Wunsch geäußert, diesen Verein in einen Schützenverein umzuwandeln. Die damaligen Bestimmungen machten es notwendig, dass der Vorstand des "Schießvereins" komplett zurücktrat und Platz machte für einen "aus älteren Personen" bestehenden Vorstand. Der erste Vorstand des Schützenvereins bestand aus:

Heinrich Strier (Hauptmann)
Wilhelm Reimann (Fähnrich)
Heinrich Vatheuer (Rendant)
Theodor Ebel (Hilfsrendant)

sowie den Offizieren Dietrich Bankamp, Wilhelm Brinkmeier, Franz Elbers, Wilhelm Haunert, Friedrich Juchmann, Friedrich Kleine, Wilhelm Liese, Heinrich Linkamp, Franz Lindemann, Clemens Rehbein, Friedrich Rosenhövel und Dietrich Schröder.

In dieser Versammlung wurde auch die erste Vereinssatzung verlesen und genehmigt. Der Hauptmann wurde beauftragt, die erforderlichen Genehmigungen zur Gründung eines Schützenvereins einzuholen. Da damals ein langwieriger Papierkrieg an der Tagesordnung war, dauerte es bis zum 17. März 1894, dass von Herrn Amtmann Enters die Genehmigungsurkunde erteilt wurde. Somit ist das Gründungsjahr eindeutig 1893, auch wenn das erste Schützenfest erst 1894 gefeiert werden konnte.

Dieses Fest fand am 30. Juni und 1. Juli 1894 im Saal des Wirtes Friedrich Helm statt. Auch heute noch findet unser Schützenfest traditionell am ersten Sonntag im Juli statt.

Zu den ersten Festen ist zu sagen, dass sie harmonisch und ruhig verliefen. Dies änderte sich scheinbar im Jahr 1903, denn dieses Fest wurde aufgrund einer heftigen Rauferei vorzeitig durch die Polizei beendet. Daher wurde für das Jahr 1904 durch die Behörden keine Erlaubnis zur Feier eines Schützenfestes erteilt. Um sein Ansehen zu wahren, veranstaltete der Verein ein internes Herbstkränzchen.

Die nächste Unterbrechung der Schützenfestfolge hatte leider einen traurigen Grund – der 1. Weltkrieg. An dieser Stelle wollen wir der 49 Schützenbrüder gedenken, die in diesem Krieg ihr Leben verloren.

Das erste Fest nach diesem Krieg fand 1920 statt. Der spätere langjährige Hauptmann und 1. Vorsitzende Wilhelm Schröder errang die Königswürde.

Bis zum Jahr 1926 erfolgte das Königsschiessen auf freier Wiese im Birkholt zwischen der heutigen Ecke "Dambergstrasse-Brehmstrasse" bis zur heutigen Strasse "Am Schützenplatz". Dort erwarb im Jahr 1927 der Schützenverein ein Stück Land von der Familie Niemöller, um einen eigenen Schützenplatz anzulegen. Der erste König auf diesem Platz wurde 1928 Karl Ribbert.

1930 wurde auf dem Schützenplatz ein von Schmiedemeister Lutz Weeke handgefertigter Kugelfang aufgestellt. König wurde in diesem Jahr der Schützenbruder Dietrich Remmert.

Letzter König vor dem 2. Weltkrieg wurde 1939 Karl Kötter. Auch in diesem Krieg ließen 46 Schützenbrüder ihr Leben oder blieben für immer vermisst. Ihrer wollen wir hier gedenken.

Unsere Vereinschronik beginnt eigentlich erst wieder im Jahr 1948, da es vorher aus verständlichen Gründen nicht erlaubt war, Schützenfeste zu feiern. Bei einer Versammlung in der Gaststätte Elbers wurde eine "Neugründung" des Vereins beschlossen. Am 3. Juli 1949 kamen alle Mitglieder des Schützenvereins zusammen, um einen neuen Vorstand zu wählen und ein Schützenfest zu planen. Der Vorstand bestand aus

Wilhelm Schröder (Vorsitzender)
Franz Kappelmann (stellv. Vorsitzender)
August Bussmann (Rendant)
Heinrich Müller (stellv. Rendant)
Fritz Scholz (Schriftführer)
Wilhelm Notz (1. Beisitzender)
Heinrich Beltrop (2. Beisitzender)

und weitere 21 Schützenbrüder als "Festordner".

Das Schützenfest 1949 fand vom 29. bis 31. Juli auf dem Hof von Josef Brinkmann statt, da der alte Platz als Gemüsegarten diente. Geschossen wurde mit der Armbrust – Gewehre waren zu der Zeit verboten. Hans Wortmann wurde mit dem 351 Schuss der erste König nach dem 2. Weltkrieg.

Da nach dem Krieg nicht nur Westtünnen, sondern auch die Mitgliederzahl des Schützenvereins ständig gewachsen ist, wurde im Jahr 1953 der Schützenplatz vergrößert. Hierzu wurde von Frau Mimi Brüggemann für DM 2000,-- ein Stück Land gekauft. Bereits damals wurde hierfür ein zinsloses Darlehn von der Kloster-Brauerei in Anspruch genommen.

In diesem Jahre wurde das erste Jubelfest der Vereinsgeschichte gefeiert. Da sowohl das 25- als auch das 50-jährige Jubiläum den Kriegswirren zum Opfer fielen, trug die von Lehrer Paul Nunnemann verfasste Festschrift u.a. die Überschrift

Goldenes Jubelfest 1943
Gefeiert als solches 1953.

Bei diesem Jubiläumsfest war es Heinrich Brockötter, der sich mit dem 410. Schuss die Königswürde holte und somit der 48. Schützenkönig seit 1894 wurde.

Bis zum Jahre 1962 wurden die Schützenfeste abwechselnd bei den Wirten Helm, Karlheim-Killwing und Elbers gefeiert. Damals wurde auf dem alten Schützenplatz nur auf den Adler geschossen. Da aber der Zulauf an Besuchern immer mehr zunahm, wurde ab dem Jahr 1963 neben dem Schützenplatz da s Großraumzelt des Schützenbruders Fritz Helm aufgestellt. Dieser übernahm auch die Restauration der Feste. König wurde der spätere langjährige Ehrenkommandeur der Avantgarde Ulrich Streich.

1968 wurde das 75-jährige Jubiläum unter besonderen Vorzeichen gefeiert. Am 1. Januar erfolgte die Eingemeindung als Stadtteil "Hamm-Westtünnen", so dass der damalige Oberbürgermeister der Stadt Hamm, Dr. Günter Rinsche, das Vogelschiessen eröffnete. Mit dem 494. Schuss holte nach spannendem Schiessen Karl Ortmann die Reste des Adlers von der Stange. Am Schützenfestsonntag nahmen zahlreiche Gastvereine am Jubiläumsumzug teil. Der damalige Schriftführer, Professor Fritz Scholz, hielt die Festrede und abends fand ein Höhenfeuerwerk statt.

An dieser Stelle wollen wir Heinrich Kappelmann besonders erwähnen. Er war bis zur Eingemeindung Bürgermeister von Westtünnen und für die Errichtung des Dorfplatzes mit dem Ehrenmal verantwortlich. Im Schützenverein war er 2. Hauptmann und Stellvertreter und langjähriger Wegbegleiter des damaligen Vorsitzenden und 1. Hauptmanns Wilhelm Schröder (Hauptmann Köhl). Dieser führte den Verein 40 Jahre lang und war maßgeblich an der Aufwärtsentwicklung beteiligt. Auch Fritz Scholz, Heinrich Beltrop, Karl Ribbert, Heinrich Buhne, Fritz Beckheuer und Ewald Ribbert sind aus diesen Zeiten als treue Gefolgsleute von Wilhelm Schröder zu nennen.

Heinrich Kappelmann musste 1969 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt aufgeben. Für seine großen Verdienste wurde er zum Ehrenoberst ernannt. Zu seinem Nachfolger als 2. Hauptmann wurde Heribert "Kasper" Rüther gewählt, der vorher bereits 1. Kommandeur der Avantgarde gewesen war. Schon aus dieser Zeit stammen die ersten Ideen, eine Schützenhalle zu bauen.

Nach 40 Jahren als Vorsitzender und 1. Hauptmann trat Wilhelm Schröder in der Generalversammlung 1974 von seinem Amt zurück. In Anerkennung für seine geleistete Arbeit wurde er zum Ehrenvorsitzenden und Ehrenoberst ernannt.

Zu seinem Nachfolger wurde Heribert Rüther gewählt, der aber schon nach zwei Jahren beruflich bedingt wieder zurücktrat. Sein Nachfolger wurde Herbert Schröder, dessen Stellvertreter Hubert Jürgens und Leo Notz.

Leider müssen wir hier auch auf ein dunkles Kapitel in der Vereinsgeschichte eingehen – der Bau der Schützenhalle auf dem neuen Schützenplatz an der heutigen Ecke "An der Von-Thünen-Halle - Dr.-Loeb-Caldenhof-Str." Folgende Mitglieder bildeten den Planungsausschuss: Karl Holtmann, Günter Rüter (Vorsitz), Klaus Rehbein, Dietrich Kampmann, Hubert Berz, Walter Lambracht und Ewald Wortmann.

Geplant war eine Mehrzweckhalle mit Clubraum und insgesamt 1092 qm Nutzfläche auf dem Gelände des alten Schützenplatzes, der allerdings lt. Bebauungsplan mittlerweile in einem Wohngebiet lag. Die Baukosten betrugen ca. 550-600 TDM. Um den Eigenanteil des Vereins mit zu finanzieren, wurden Bausteine á DM 50,-- an die Mitglieder verkauft

Das erste Hindernis auf dem Weg zu einer Schützenhalle war der Bescheid vom Gewerbeaufsichtsamt in Soest, einen Hallenbau in einem reinen Wohngebiet abzulehnen. Daher musste ein neues Gelände gefunden werden. Gekauft wurde schließlich das bekannte Stück Land im Wert von DM 80.000,-- von der Stadt Hamm.

Der Grundstein für die Halle wurde am 2. Mai 1981 gelegt. Durch die Verzögerungen bei der Planung und beim Verkauf des alten Geländes fand das Schützenfest in diesem Jahr noch einmal auf dem alten Platz statt. Schützenkönig wurde Richard Bernholz, der also von sich sagen kann, auf beiden Schützenplätzen regiert zu haben.

Da der Hallenbau zügig voranschritt, konnte am 10. Oktober 1981 Richtfest gefeiert werden. Die Einweihung wurde am 16. und 17. April 1982 gefeiert. Vorher hatte bei der Heribert Rüther bei der Generalversammlung den aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen 1. Vorsitzenden und Hauptmann Herbert Schröder abgelöst.

Die Jahre nach dem Hallenbau waren von großer Unruhe geprägt. 1987 wurde Heribert Rüther als Vorsitzender von Walter Lambracht abgelöst, der aber selbst nur bis November im Amt blieb. Sein Nachfolger wurde kommissarisch Heinz Samson. Aufgrund des gewaltigen Arbeitsumfanges wurde eine Trennung zwischen Vorsitz und Hauptmann beschlossen. Bei der Generalversammlung 1988 wurden gewählt:

Siegfried Jäschke (1.Vorsitzender)
Hans-Dieter Eng (2.Vorsitzender)
Hartmut Schröder (1.Hauptmann)
Heinz Samson (2.Hauptmann)

Hartmut Schröder trat im Oktober 1989 zurück. Heinz Samson rückte zum 1. Hauptmann auf, sein Nachfolger wurde Willi Räbber. Der Abschlussbericht eines Wirtschaftsausschusses brachte zum ersten Mal Klarheit, wie gewaltig die Schulden des Vereins tatsächlich waren. In dieser Lage übernahm die Volksbank Hamm die geschäftliche Führung der Halle. Ab Juli 1990 diente sie als Unterkunft für Flüchtlinge aus den jugoslawischen Kriegsgebieten. Bereits 1991 konnte das Schützenfest jedoch in eigener Halle gefeiert werden.

Der 1. Vorsitzende Siegfried Jäschke trat im Frühjahr 1992 zurück, sein Nachfolger wurde Dieter Eng. Neuer 2. Vorsitzender wurde Wilfried Pomberg, nach ihm kamen Aloys Averkamp und Heinz-Josef Remmert. Vor allem Dieter Eng und seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass es seit einigen Jahren wieder deutlich aufwärts geht und der Verein auf einer soliden finanziellen Basis steht. Außerdem hat in den letzten Jahren eine stetige Verjüngung im Vorstand stattgefunden, um auch weiterhin den Anforderungen einer zeitgemäßen Vereinsführung gerecht werden zu können.

Auch die 1989 gegründete Frauengruppe ist sicherlich eine Bereicherung des Vereinslebens. Die Frauengruppe ist mittlerweile fester Bestandteil unserer Festumzüge

Ein weiterer positiver Punkt ist die Gründung der Schiessgruppe im Schützenverein unter ihren Abteilungsleitern Heinz-Josef Remmert und Herbert Helm im Jahre 1998. Gerade hierdurch wird der Gedanke von Brauchtumspflege und Jugendförderung sehr gut zum Ausdruck gebracht.

In den vergangenen Jahren hat sich der Verein stetig weiter entwickelt. Die Mitgliederzahl ist wieder ansteigend und liegt derzeit bei ca. 520.

Grösster Beliebtheit erfreut sich auch der Heimatabend "Rund um den Dorfplatz", der seit 1993 immer am Schützenfestfreitag ab 20,00 Uhr stattfindet und sich in relativ kurzer Zeit zu einer echten Traditionsveranstaltung entwickelt hat.

 
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